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Wenn die Seele vertrocknet

  • vor 8 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
Dürre
Dürre

Ich sag’s ganz ehrlich: Mich kostet diese Zeit gerade sehr viel Kraft. Mir setzt zu, was da passiert: diese Trockenheit, die Dürre, die Stürme, die Überflutungen, die Tornados, die Brände. Die Bilder davon erreichen mich – und sie bleiben nicht irgendwo da draußen. Der Klimawandel ist auch in meiner Seele angekommen.

Auch dort ist es trocken. Auch dort gibt es Überschwemmungen. Auch dort ziehen Tornados auf. Manchmal brennt es in mir. Manchmal fühlt sich alles ausgedörrt an, manchmal überschwemmen mich die Nachrichten und Gefühle, und manchmal wirbeln Sorgen und Ängste wie ein Sturm durch meinen Kopf und mein Herz.

 

Und als wäre das nicht genug, kommt die Gewalt dazu: Bomben, Granaten und Drohnen. Menschen, die um ihr Leben fürchten. Menschen, die alles verlieren. So vieles im Außen ist verstörend, verunsichernd und beängstigend.

 

Es ist gerade richtig viel Arbeit – jeden Tag aufs Neue –, mich darum zu bemühen, in meiner Mitte zu bleiben. Diese wohltuende Mitte zu suchen, wenn ich sie verloren habe. Sie neu zu errichten, wenn sie ins Wanken geraten ist. Frieden in mir zu kreieren, wenn er im Außen torpediert wird.

Denn natürlich berührt mich das alles. Ich kann mich nicht einfach davon abgrenzen. Ich will auch gar nicht gleichgültig werden. Aber ich möchte aufpassen, dass die Unruhe der Welt nicht vollständig zu meiner eigenen Unruhe wird.

 

Genau deshalb ist es immens wichtig, immer wieder innezuhalten.

Einatmen - ausatmen.

Die Stille suchen in all dem Lärm. Ganz bei mir sein. Spüren, dass ich da bin. Dass mein Körper da ist. Dass mein Atem da ist. Dass unter all den Gedanken, Sorgen und Nachrichten noch immer etwas in mir existiert, das ruhig sein kann.

Dann darf es wieder sanft werden in mir.

Dann können die Brände in meiner Seele langsam gelöscht werden. Die Dürre in meiner Seele wird nach und nach bewässert. Die Überschwemmungen können zurückgehen. Und auch die seelischen Tornados beruhigen sich irgendwann und werden zu sanften Brisen.

Es braucht Zeit. Es braucht Geduld. Und es braucht Übung.

Aber es funktioniert!

Innehalten – am besten in der Natur, wo es leichter fällt, sich wieder verbunden zu fühlen, mit sich und mit der Erde. Einen Baum anschauen. Den Wind in den Blättern hören. Erde unter den Füßen spüren. Wasser beobachten. Einen Sonnenstrahl auf der Haut wahrnehmen.

Innehalten und atmen.

Still sein. Die Stille einladen, sie aushalten – und irgendwann genießen.

Eine Hand auf das Herz legen.

Spüren, wie der Atem kommt und geht.

Sich selbst mit Freundlichkeit begegnen, gerade dann, wenn es einem nicht gut geht.

Nachrichten reduzieren, öfter offline sein.

Ein paar Schritte gehen, ohne irgendwo ankommen zu müssen.

Etwas Schönes anschauen.

Musik hören.

Singen.

Lachen.

Einen Menschen umarmen.

Ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern, auch wenn einem gerade gar nicht danach ist.

Dankbar sein für etwas ganz Einfaches: ein Glas Wasser, einen warmen Platz, einen Vogel im Garten, einen freundlichen Blick, einen Moment Ruhe.

Und vielleicht auch einfach einmal nichts tun.

Nicht alles lösen müssen. Nicht alles verstehen müssen. Nicht auf alles eine Antwort haben müssen.

 

Ich merke, dass genau das gerade das Beste ist, was wir tun können: in uns die Brände zu löschen, in uns die Trockenheit zu bewässern und die Stürme zu beruhigen.

Nicht, um das Außen zu verdrängen.

Nicht, um wegzuschauen.

Und schon gar nicht, um uns einzureden, dass alles gut ist.

Sondern damit wir die Kraft und die Lebensfreude behalten, die Zuversicht und auch die Gelassenheit. All das brauchen wir mehr denn je.

 

Wir können aktiv dafür sorgen, dass unsere eigene Seele nicht vertrocknet, nicht verbrennt.

Wir können dafür sorgen, dass in uns Wasser bleibt.

Dass in uns etwas wächst. Dass in uns ein Ort des Friedens existiert, zu dem wir immer wieder zurückkehren können.

 

Und vielleicht ist genau das unsere Aufgabe: nicht unberührt zu bleiben von dem, was geschieht – aber auch nicht daran zu zerbrechen.

Und immer wieder:

Innehalten. Atmen. Still werden. Bei uns ankommen.

Jeden Tropfen sammeln, der unsere Seele bewässert.


Möge dieser Text für dich auch so ein Tropfen sein.

 
 
 

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